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Es gibt nur einen Zeitpunkt aber keinen guten Zeitpunkt

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Es gibt nur einen Zeitpunkt aber keinen guten Zeitpunkt

Neuer Beitragvon madsunday » 8. Okt 2009, 21:25

Liebe Freunde des VFC, oft verschoben ist er nun doch gekommen, der Zeitpunkt der Entscheidung. Nach meiner letzten Amtshandlung, dem Unterschreiben der Einladung zur Mitgliederversammlung, trete ich mit sofortiger Wirkung von meinem Amt als Präsident des VFC Plauen e.V. zurück.

Ich habe dieses Amt im Jahr 2003 von mir selbst befristet bis zur Klärung der wirtschaftlichen Situation übernommen. In dieser Zeit wollte ich mit meinen Mitstreitern zeigen, dass man einen Verein wirtschaftlich stabil und durchaus auch sportlich erfolgreich führen kann. Die Entschuldung von den Überschätzungen unserer Vorgänger stand dabei für mich immer im Mittelpunkt, da es eine existentielle Voraussetzung für den Fortbestand des Vereins war. Diejenigen, die heute wieder etwas von einem gesunden Risiko erzählen, sind da vielleicht anderer Meinung, aber ich denke, wir haben es in den letzten Jahren richtig gemacht. Wir haben mit wirtschaftlicher Verlässlichkeit die wirtschaftliche Unvernunft abgelöst und bei allen Vertragspartnern notwendiges Vertrauen zurückgewonnen.

Was in diesen Jahren zu kurz gekommen ist, bin ich, meine Familie und meine Freunde. Wenn man dann in die Jahre kommt, muss man sein Wertesystem neu ordnen. Ehrenamtliches Engagement ist gut und notwendig, wenn es aber die persönliche Lebenswelt verdrängt, ist man an der Grenze dessen angelangt, was für einen selbst gut ist. Es gibt Menschen, die allein in der Arbeit ihre Erfüllung finden. Für mich gibt es aber auch noch Dinge daneben, die ich schon lange nicht mehr getan habe. Ich habe sie nicht mehr getan, weil die Arbeit und meine Funktionen die Kraft verbraucht haben, ein Buch zu lesen, sich über andere Dinge als die Arbeit zu unterhalten, ins Theater zu gehen oder einfach auf der Terrasse zu sitzen, die Natur zu genießen und nicht schon wieder über die vielen Probleme nachzudenken, die bis morgen zu lösen sind. Wenn man älter wird, dann wird es wichtig, nicht nur für andere gelebt zu haben, sondern auch aus dem gemeinsam Gelebten etwas mitgenommen zu haben. Damit ist dann auch die Zeit gekommen, alte Versprechen einzulösen und eine aufreibende aber auch schöne Zeit zu beenden. Seid Euch aber auch darüber im Klaren, mein Schritt ist nicht das Ende des VFC, sondern er schafft Raum für Veränderung. Leben ist Veränderung. Nur wer sich an das Alte klammert, verliert seine Fähigkeit zur Entwicklung. Ein kleiner Seitenhieb sei mir erlaubt, einfältige Rufe: „Vorstand raus“ entsprechen kaum dem evolutionären Trieb, den Veränderung auf Entwicklung hat. Sie könnten jedoch bei mir eine emotionale Kurzschlussreaktion bewirkt haben, die zum Rücktritt führte. Den Kritikern zum Trotz, alles Unsinn, es war meine eigene Entscheidung, die ursächlich in meinen persönlichen Wünschen begründet liegt.

Neben diesen persönlichen Gründen gibt es aber noch einen offiziellen. Ich bin nicht bereit, mit meiner ehrenamtlichen Arbeit die unsinnige Verbandspolitik einige Verantwortlicher zu stützen. Von den Verbandsvertretern werden engagierte Vereine ignoriert und man zaubert sich eine heile Traditionsvereinswelt, die aber spätestens am 7. Oktober 1989 in Plauen ihr Ende fand. Wie die ehemaligen SED Granden ignoriert man die Probleme der Vereine im Osten und findet nur rosarote Brauseflügel, um den wirklichen Problemen im Osten zu entfliehen. Hier möchte ich namentlich konkret werden:
Herr Reichenbach (Präsident SFV) versucht seit einem halben Jahr den Retortenclub RB Leipzig zu protegieren und die anderen Vereine zur untertänigen Abgabe ihrer Talente an diesen Verein zu bewegen.
Herr Dr. Moldenhauer (Präsident NOFV) hat vor rund zwei Jahren den Vereinen der Oberliga versprochen, helfend bei dem Problem Gewalt in den Stadien einzugreifen. Bis heute warte ich auf die damals versprochene Einladung zu gemeinsamen Gesprächen.
Herr Dr. Koch (Vizepräsident des DFB) hat vor mehr als einem viertel Jahr versprochen, mir auf eine schriftliche Abfrage zum Thema Zulassung zum DFB Pokal zu antworten. Bis heute ging diese von Ihm angekündigte Antwort bei mir nicht ein.
Wie lange musste ich mir als Präsident eines Vereins, der im Gegensatz zu anderen regelmäßig seine Verbandsumlagen überweist, gefallen lassen, dass man keine Antworten gibt! Hatte ich als Vereinsvertreter nicht Anspruch darauf, von Verbandsvertretern auch eine Antwort zu erhalten.
Neben meinen persönlichen Gründen bin ich nicht bereit unter einer derartig ignoranten Verbandsführungsriege weiterzuarbeiten und lege auch aus diesen Gründen mein Amt nieder.
Um abschließend noch allen Gerüchten vorzubeugen, ich gehe nicht im Groll und werde den VFC Plauen e.V. auch in Zukunft unterstützen. Und unserer ersten Mannschaft sei gesagt, Ihr habt das Potential die Klasse zu halten. Ihr müsst nur anfangen, an Euch selbst und an die Mannschaft zu glauben! Dafür werde ich auch weiterhin mein Stück Olivenholz aus Bethlehem breitdrücken. Nur Mut , Ihr schafft das gemeinsam.

Uwe Täschner
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